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Produktinformationen "Deutland"

Eine grundsätzliche Einlassung gegen den Primat der Hermeneutik in den Kulturwissenschaften

  • alter Text:Die Hermeneutik bildet heute das unhinterfragte Paradigma der Text- und Kulturwissenschaften, auch wo sich ihre Interpretationen als Antihermeneutik gebärden. Von einer »Krise der Hermeneutik« kann keine Rede sein, denn Literaturinterpretationen haben an Umfang und Prestige seit der Nachkriegszeit stetig zugenommen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hätte diese Reduktion ungläubiges Staunen hervorgerufen, denn Hermeneutik galt lediglich als die Eingangshalle des Gebäudes aus Textkritik und Quellenkritik, dessen Obergeschoss sich der historischen Ethnografie vergangener Sitten und Gebräuche widmete. Diese Konstellation verweist auf eine Zeit, in der sich die weltweit wegweisenden deutschen Forschungsuniversitäten weder durch Fachdisziplinen noch durch den Gegensatz zwischen naturwissenschaftlicher und philologischer Forschung auszeichneten. Nach der Reichsgründung indes wurden die Philosophischen Fakultäten neu geordnet, die Philologie zerfiel in Fachdisziplinen, und nationalistisch gesinnte Philosophen wie Dilthey und Heidegger erhoben den geisteswissenschaftlichen Anspruch auf ein exklusives Verstehen des Verstehens. Durch eine schlaglichtartige Anamnese der Gewitterlandschaft des Langen Neunzehnten Jahrhunderts umreißt Schüttpelz die Konturen eines fatalen Paradigmenwechsels.
Von einer »Krise der Hermeneutik« kann keine Rede sein, denn das Interpretieren literarischer Werke hat seit fünfzig Jahren an Prestige und Unfang alle anderen Aufgaben der Philologien überflügelt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hätte diese Dominanz ungläubiges Staunen hervorgerufen, denn die Hermeneutik galt als Propädeutik der Quellenkritik und Textkritik, und diese als die eigentliche Bewährungsprobe aller historischen und philologischen Forschungen. Durch eine schlaglichtartige Anamnese umreißt Schüttpelz die wichtigsten Etappen dieses Paradigmenwechsels in Schule und Universität. Der erste Teil behandelt den Wandel von der Höheren Kritik als höchstem Wert der Philologie hin zur Hermeneutik als neuem Leitbild der Geisteswissenschaften. Der Zweite Teil charakterisiert die praktischen Voraussetzungen des Literaturinterpretierens und ihre literaturtheoretischen Folgen. Zusammen begründeten sie das Zeitalter der literarischen Hermeneutik, die sich bisher gegenüber jeder »Antihermeneutik« als immun erwiesen hat.

Rezensionen „Deutland"

»Der Text ist gerade wegen seines neuen und strittigen wissenschaftsgeschichtlichen Narrativs gewinnbringend zu lesen und ist, affirmativ oder ablehnend, in hohem Maße forschungsanregend.« – Philip Kraut
Zeitschrift für Germanistik (Philip Kraut)

Biografie – Schüttpelz, Erhard

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Schüttpelz, Erhard

Erhard Schüttpelz, 1961 geboren, ist nach dem Studium der Germanistik, Anglistik, Ethnologie in Hannover, Exeter und Bonn und Forschungstätigkeiten in Oxford, Köln, New York, Konstanz und Wien seit 2005 Professor für Medientheorie an der Universität Siegen. 2025 wurde er mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung ausgezeichnet.

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