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Hiobs Vermächtnis

Karren, Tamara (01.04.2026)
Produktinformationen "Hiobs Vermächtnis"
  • Arco
  • Karren, Tamara
  • Rößler, Tobias & Simonides, Gregor
  • 978-3-96587-097-0
  • 01.04.2026
  • Taschenbuch
  • 200 Seiten
  • pol
  • 7 %
  • Auseinandersetzen
  • Buch
Tamara Karren ist selbst in Polen bis heute fast unbekannt geblieben, und diese vollständige zweisprachige deutsche Erstausgabe ihrer Lyrik sowie ihrer Fluchtgeschichte im Zweiten Weltkrieg folgt verschlungenen Pfaden: 1983 erst hatte Karren mit einem ersten Gedicht– »Hiob 1983« – als polnische Lyrikerin debütiert. Der beeindruckte Karl Dedecius nahm es in seine Anthologie Ein Jahrhundert geht zu Ende auf. Gert Westphal rezitierte es auf einer Schallplatte – Hans-Joachim Berendts »Der Walzer vom Weltende. Jazz und Lyrik aus Polen«. Diese wurde für Tobias Rößler und Gregor Simonides zum Anstoß, Lebensumstände und Werk der jüdischen Dichterin aus der Versenkung hervorzuholen: So stießen sie auf ihre Verbindung mit dem namhaften polnischen Dichter Roman Brandstaetter (1906–1987), die – von diesem jahrzehntelang verschwiegen – von Tamara Karren als Teil der Geschichte der gemeinsamen Flucht unter dem Titel »Das Tor zum Paradies« erzählt wird: Aus dem besetzten Warschau entkommt sie im Dezember 1939 nach Wilna (wo sie im Mai 1940 ihren schon damals prominenten jüdischen Fluchtgefährten heiratet); abenteuerlich erreichen sie über Moskau, Baku, Teheran, Bagdad und Amman erst 1941 ihr Ziel Jerusalem. Jedoch ist es Tamara Karrens eigene Stimme als Dichterin, die Beachtung verdient. Mit ihrer Lyrik, oft mit jüdischen religiösen Motiven, schreibt sich die Dichterin eindrucksvoll in die literarische Beschäftigung mit der Schoah ein. Ihr »Hiob« ist ein Überlebender, der 1983 den 40. Jahrestag des Warschauer Ghetto-Aufstandes zum Anlaß nimmt, seine Klage an Gott zu richten: »Du hast mir genommen die Stadt meiner glücklichen Kindheit, / Hast sie zu Staub zermalmt. [...] Du hast mir genommen die Brüder, die Schwestern und ihre Kinder, / Die zu Dir aufgestiegen sind als schwarzer Rauch«. Karrens letztes Gedicht nimmt das Schicksal von Janusz Korczak auf, der seine Waisenkinder aus dem Warschauer Ghetto in den Tod begleitete. Von diesen Gedichten heben sich ihre Liebes- und Landschaftsgedichte ab.

Biografie – Karren, Tamara

K
Karren, Tamara
Tamara Karren (22. September 1913–12. April 1997), wuchs in Warschau auf, wo sie auch studierte. Nach ihrer Flucht nach Palästina verbrachte Karren ab 1946 ihr Leben im Londoner Exil, wo auch ihr schmales Werk erschien: zwei Dramen – über die Schriftstellerin Gabriela Zapolska, 1977, und eines über Janusz Korczak (»Kim był ten człowiek?« – »Wer war dieser Mensch?«, 1986) – sowie der Gedichtband »Czarne niebo« (»Schwarze Himmel«, 1986).

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