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Ich töte wen ich will

Stassi, Fabio (01.03.2022)
Produktinformationen "Ich töte wen ich will"
  • Friedenauer Presse
  • Stassi, Fabio
  • Kopetzki, Annette
  • 978-3-9822252-8-9
  • 01.03.2022
  • Hardcover
  • 304 Seiten
  • 125 x 22 x 218 (B/T/H)
  • 476
  • Edition Converso
  • deutsch
  • Uccido chi voglio
  • ita
  • 1. Auflage
  • 7 %
  • Entspannen
  • Nervenkitzeln
  • Buch gebunden
  • Hardcover

Das Grauen aus dem Epilog – ein büchernärrischer Junge (im Jahr 1959) im Begriff, die ersten Seiten von Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu lesen ... da, ein Geräusch. Später findet ihn der Vater mit ausgestochenen Augen und zerbrochenem Bleistift in den blutigen Händen im Korridor – gibt die Ikonographie dieses atmosphärischen Krimis vor.

Im Zentrum steht Vince Corso, ein freigestellter Studienrat mit einer bizarren neuen Profession: Er ist Bibliotherapeut. Mit tausend Zweifeln empfiehlt er seinen Klienten die passende Lektüre, quer durch die Genres, einmalig und originell, um ihnen einen Ausweg aus ihren Leiden aufzuzeigen. Sein »Pronto Soccorso Letterario« befindet sich im Dachgeschoss der Via Merulana in Rom – genau die aus Gaddas grässlicher Bescherung. Anfangs gibt er sich melancholischen Gedanken hin, seine geliebte Feng ist nach China abgereist, nicht mal ein Haar von ihr ist ihm geblieben. Zurück vom Feinkostbüdchen findet er sein Studio verwüstet, die Bücher zerfleddert, den Hund vergiftet.

In letzter Minute schafft es Vince mit Django in die Notaufnahme. Bohrende Fragen nach dem Wer und Warum von so viel blinder Gewalt. Der Hund im künstlichen Koma, banges Warten. Zufällig oder weniger, wird er Zeuge immer brutalerer Morde. Und stets taucht ein Blinder mit rotweißem Stock auf der Szene auf. Vince setzt ihm nach, wird unfreiwillig zum Detektiv. Längst schon ist er im Handlungsgeflecht einer Mörderbande gefangen, deren Versammlungsort die Verliese unterhalb Santa Maria Maggiore sind. Auf der anderen Seite hat ihn der im Abruzzen-Dialekt fluchende Kommissar Ingravallo auf die Liste der Mordverdächtigen gesetzt.

Fabio Stassi treibt ein raffiniertes Spiel, in dem Literatur und Realität verschwimmen: Da kullern Köpfe unter Straßenbahnen hervor, wird reichen Damen in der Via Merulana die Kehle aufgeschlitzt, ein Häftling namens Queequeg schreibt an Vince aus der Haftanstalt Regina Coeli, französische Chansons geleiten uns durch die Kapitel und der melancholische Vince selbst ist ein Suchender, schreibt regelmäßig Briefe an den Vater, den er nie kennengelernt hat. Ein vielschichtiges Buch, das Höchstspannung mit dem Vergnügen der literarischen Spurensuche verbindet und die Leser durch seine dichte Atmosphäre in den Bann zieht. Und nicht zuletzt ein Buch für alle, die einem Rom jenseits der Klischees verfallen sind – auch eine Liste von Vince Corsos Spaziergängen durch die Stadt ist zu finden.

In jener Nacht Ende Juni, so sagte Vince Corso später aus, habe er geträumt, dass ein Schwarm Nachtfalter aus dem Portal der Basilika Santa Maria Maggiore strömte und die Straßen Roms heimsuchte. Ein unwichtiges Detail, aber es war das erste, was ihm einfiel, als er sämtliche Ereignisse jenes Tages nacheinander erzählen sollte. Er hatte damit beginnen müssen, dass die Diebe zwischen Mittag und zwei Uhr nachmittags in seine Wohnung eingedrungen waren, und dass die Tür auf den ersten Blick keine Spuren von Gewaltanwendung zeigte …

Biografie – Stassi, Fabio

S
Stassi, Fabio

Fabio Stassi ist in Rom geboren, die Stadt, wohin viele Sizilianer nach dem Krieg emigriert sind. Seine Wurzeln aber reichen in mehrere Weltregionen, Buenos Aires, Albanien, Karthago, Mittlerer Orient. Im Mittelpunkt seiner literarischen Suche stehen die Themen: mehrfache Identitäten, die Sprache und das Sprechen (von der Aphasie bis zur Zensur), das Gedächtnis und das Erinnern, die Bibliotheken als demokratischer Ort der Freiheit und ihre Zerstörungen; die Heilkraft der Dichtung und Literatur. Seine Vorbilder sind Leonardo Sciascia, Gesualdo Bufalino, Vincenzo Consolo.

Seinen Durchbruch als Schriftsteller hatte er mit dem Roman Fumisteria, (Neuauflage 2015) über das Massaker Portella della Ginestra, 1. Mai 1947, bei Piana degli Albanesi, die Stadt (Arberesh-Gründung), woher seine Familie stammt. Mit den Detektivromanen über den Bibliotherapeuten Vince Corso, einem arbeitslosen Gymnasiallehrer, der in einer kleinen Behausung in der Via Merulana in Rom zusammen mit seinem stummen Hund Django lebt und seine Patienten empfängt, hat er sich in die Herzen seiner Leser geschrieben: La  lettrice scomparsa (2016); „Die Seele aller Zufälle“ (2024) (Ogni coincidenza ha un’anima) HOTLIST 2024; „Ich töte wen ich will (2022) (Uccido chi voglio); "Das Ausmaß von Liebe" (2025)  (Notturno francese); alle Ü Annette Kopetzki.

Zur Buchmesse 2024 ist sein Dante-Essay erschienen: „Ich, ja ich werd‘ Sorge tragen für dich – Kurze Abhandlung über Dante, die Dichtung und den Schmerz“ (Ü Monika Lustig), in dem er uns Dante als einen fragilen, alle Leiden unserer Zeit vorwegnehmenden, sehr irdischen Dichter zeigt: Die Notwendigkeit, die (poetische) Stimme zu erheben, um dem Geschrei der Diktatoren keinen Raum zu geben. Sein politischstes Werk Bebelplatz. La Notte dei Libri bruciati, das just von den Bücherverbrennungen der Nazis ausgeht und eine Reise auf der Suche nach einer neuen Identität als Leser darstellt, ist Anfang Oktober 2024 bei Sellerio editore erschienen, wo sein ganzes Werk erscheint. Im September 2025 hat er hauchdünn (3 Stimmen) den Premio Campiello verpasst.

Er wurde mit sämtlichen Literaturpreisen, benannt nach italienischen Schriftstellern - Vittorini, Sciascia, Scerbanenco, Arpino, Dessì, Croce -, aber auch mit den renommierten Premio Stresa und Premio Alassio ausgezeichnet.

In Deutschland erhielt er den Hermann-Kesten-Preis 2024 (PEN Deutschland/Land Hessen), mit dem Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und somit für verfolgte, verbotene, zensierte Literaturen einsetzen.

Annette Kopetzki wurde 1954 in Hamburg geboren, studierte dort Germanistik und Philosophie. Nach dem Staatsexamen erfüllte sie sich den Traum, ein paar Monate in Italien zu leben. Daraus wurden zwölf Jahre intensives Eintauchen ins Italien der 80er Jahre, über das sie in deutschen Zeitungen und für den Hörfunk schrieb. 1986–1990 war sie Lektorin für deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten Rom und Pescara/Italien, 1990–1992 Dozentin an der Fachhochschule für Übersetzer und Dolmetscher in Rom. Dann winkte ein Graduiertenstipendium an der Hamburger Uni, das sie 1995 mit einer Promotion über sprachtheoretische und ästhetische Fragen der literarischen Übersetzung abschloss. Es folgten Lehraufträge am Literaturwissenschaftlichen Seminar in Hamburg. Noch überwog die Beschäftigung mit der Theorie der Literaturübersetzung, sie schrieb Artikel in Zeitschriften und literaturwissenschaftlichen Lexika, arbeitete schon an ihrer Habilitation. Doch als sie 1998 für eine Romanübersetzung den Hamburger Förderpreis bekam, sprang die Weiche um, die Praxis gewann die Oberhand, und sie wurde 1998 Mitglied im VdÜ. Fortan speiste sich das Nachdenken über Übersetzung aus der eigenen praktischen Erfahrung und dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, z. B. auf Workshops während der Jahrestagungen des VdÜ, vor allem aber in der Arbeit für die „Weltlesebühne e.V.“, für die sie seit 2009 Übersetzungsveranstaltungen in verschiedenen Formaten konzipiert, organisiert und moderiert. Das Gleiche macht sie seit 2011 für den VdÜ auf der Frankfurter Buchmesse im Zentrum: »Weltempfang. Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung«.

Annette Kopetzki hat inzwischen sehr viele italienische Autoren übersetzt, die wichtigsten sind Pier Paolo Pasolini, Andrea Camilleri, Erri di Luca, Alessandro Baricco und Roberto Saviano. Eine wunderbare Anerkennung war 2019 der Paul-Celan-Preis für Literaturübersetzung.


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