Letzte Einkehr
Kertész, Imre (20.09.2013)Letzte Einkehr · Kertész, Imre
Tagebücher 2001 - 2009 (mit einem Prosafragment)
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- Verlag: Rowohlt
- Autor: Kertész, Imre
- Übersetzer: Schwamm, Kristin
- ISBN: 978-3-498-03562-4
- Veröffentlichung: 20.09.2013
- Produktform: Hardcover
- Umfang: 464 Seiten
- Maße: 125 x 40 x 205 (B/T/H)
- Gewicht: 556
- Sprache: deutsch
- Originaltitel: Mentés másként
- Auflage: 2. Auflage
- MwSt: 7 %
- Lesemotiv: Auseinandersetzen
- Nebenlesemotive: Entdecken
- Produktart: Buch gebunden
- Produktform: Hardcover
Im Gegensatz zu seinem berühmten «Galeerentagebuch», das eine Komposition aus den jahrzehntelangen Aufzeichnungen während der inneren Emigration im sozialistischen Ungarn darstellt, handelt es sich bei den hier vorgelegten späten Tagebüchern von Imre Kertész um ein unbearbeitetes, ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes «journal intime» von überraschender, oft verstörender Offenheit. Es umfaßt die Jahre seiner äußeren Emigration – die Loslösung von Ungarn, dessen postsozialistische Entwicklung ihn immer stärker an präfaschistische Zeiten erinnert, und die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin, wo ihn 2002 die «Glückskatastrophe» des Nobelpreises ereilt.
Das damit verbundene «rare Geschenk guten Lebens» weiß er nach Jahrzehnten äußerster Einschränkung zwar durchaus zu genießen – exklusive Restaurants in Berlin, Paris und New York oder die Luxushotels von Gstaad und Madeira –, doch stärker sind die Aufzeichnungen ab jetzt von den Klagen über die «erwürgenden Anforderungen des Ruhms» und die dadurch einsetzende Selbstentfremdung grundiert, über das Nachlassen der Schaffenskraft und den «unerträglichen Terror des Alters». Ein «Trivialitäten-Tagebuch» nennt er sein Diarium schließlich.
Von der gewohnten Schärfe seiner zeitdiagnostischen und ästhetischen Reflexionen, der Prägnanz der Momentaufnahmen haben seine Tagebücher indes nichts verloren. Leitmotiv bleibt das Schreiben, das Ringen um die Gestaltung der in diesen Jahren entstehenden Prosawerke «Liquidation» und «Dossier K.» sowie des geplanten «Sonderberg»-Romans. Schreiben ist für ihn die einzige Legitimation seines Lebens. Als Krankheit und Schmerzen dominieren, macht er sich mit unerhörter Kühnheit zum gnadenlosen Chronisten des eigenen Verfalls «im Vorzimmer des Todes».
Rezensionen „Letzte Einkehr"
Die Quintessenz eines unbestechlichen Bewusstseins.Der Standard (Ronald Pohl)
Eine Wucht von Buch. Ein großes Testament zu Lebzeiten.
Der Tagesspiegel (Peter von Becker)
«Letzte Einkehr» ist das Echolot, das ein großer Schriftsteller in die eigenen Abgründe gerichtet hat, groß in seiner Wahrhaftigkeit, verstörend in seiner Zerrissenheit.
FAZ.NET (Hubert Spiegel)
Ein leichthändig geschriebenes schwergewichtiges Dokument.
Frankfurter Rundschau (Judith von Sternburg)
So nah kam man Imre Kertész noch nie. … 'Letzte Einkehr' ist ein bewegendes Buch des Abschieds: ein Freitod im Ästhetischen, begangen von einem freien Menschen.
Deutschlandfunk Kultur (Jörg Plath)
Wer in das Kertész-Geflecht eintreten will, der greife zu dieser großen Doppelgänger-Geschichte.
Süddeutsche Zeitung (Lothar Müller)
Und nun liegt das Vermächtnis doch vor – in einer Kühnheit und Ungeschminktheit, dass einem der Atem stockt. … eine Kraterlandschaft der Seele, deren Zerklüftung noch nie offen sichtbar geworden ist. Ein unbedingter innerer Wahrheitsanspruch ist hier am Werk … Große Kunst entwachse der Scham und der Angst, schreibt Imre Kertész an einer Stelle. Nicht anderes war ihm Auschwitz. Im 'Vorzimmer des Todes' ist es bei allem Scheitern diese Verwandlung, deren Zeugen wir noch einmal werden dürfen.
Neue Zürcher Zeitung (Andreas Breitenstein)
Die späten Gedanken eines großen Meisters, unglaublich ehrlich, uneitel, unsentimental, ökonomisch. Ein kathartisches Erlebnis.
Süddeutsche Zeitung (András Schiff)
Biografie – Kertész, Imre
Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 als 14-Jähriger nach Auschwitz und Buchenwald deportiert. In seinem «Roman eines Schicksallosen» hat er diese Erfahrung auf außergewöhnliche Weise verarbeitet. Das Buch erschien zuerst 1975 in Ungarn, wo er während der sozialistischen Ära jedoch Außenseiter blieb und vor allem von Übersetzungen lebte (u.a. Nietzsche, Hofmannsthal, Schnitzler, Freud, Joseph Roth, Wittgenstein, Canetti). Erst nach der europäischen Wende gelangte er zu weltweitem Ruhm, 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis. Seitdem lebte Imre Kertész überwiegend in Berlin und kehrte erst 2012, schwer erkrankt, nach Budapest zurück, wo er 2016 starb.
Kristin Schwamm, geboren 1953 in Altenburg, 1984-1989 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen, seit 1989 freiberufliche Übersetzerin aus dem Ungarischen (Imre Kertész).
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