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Fische im Trüben

Unruh, Elli (01.09.2025)
Produktinformationen "Fische im Trüben"
  • Transit
  • Unruh, Elli
  • 978-3-88747-420-1
  • 01.09.2025
  • Hardcover
  • 200 Seiten
  • 150 x 210 (B/H)
  • 320
  • deutsch
  • Originalausgabe
  • 7 %
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  • Buch gebunden
  • Hardcover
Ursprünglich gründeten Mennoniten aus Westpreußen Ende des 18. Jahrhunderts auf Einladung der Zarin Katharina der Großen deutsche Kolonien im Russischen Zarenreich, vor allem im Gebiet der heutigen Ukraine, entlang des Flusses Molotschna und auf der Krim. Sie bekamen Land, Autonomie und Religionsfreiheit zugesichert. Bis Ende 1917 blieben die Männer von der Wehrpflicht befreit, da der Dienst an der Waffe gegen ihre religiöse Überzeugung verstoßen hätte. Mit der Februarrevolution endete auch die Erfolgsgeschichte der deutschen Siedler. Im darauffolgenden Bürgerkrieg mussten viele Mennoniten fliehen, verloren Land und Besitz. Unter Stalin endete die Religionsfreiheit, Kirchen und Schulen wurden geschlossen, Gemeinden enteignet und aufgelöst. Später, nach dem deutschen Überfall 1941 auf die Sowjetunion, wurden die Familien »hinter den Ural«, nach Sibirien oder Nordkasachstan deportiert; viele verhungerten, viele wurden als »Verräter« hingerichtet. Die deutsche Sprache wurde verboten. Erst unter Chruschtschow wurden die Deutschen rehabilitiert. Wer überlebt hatte, konnte Sibirien verlassen und sich in Kasachstan oder Kirgisien niederlassen. Dort lebten die Mennoniten mit anderen deutschen Siedlern, mit Russen, Kirgisen oder Tschetschenen zusammen, besuchten die gleichen Schulen und sprachen Russisch – blieben aber weiterhin als »Feinde« stigmatisiert.

Rezensionen „Fische im Trüben"

Deutschlandfunk Kultur, Jörg Plath In ihrem Debüt erzählt Elli Unruh, die 1987 in Kasachstan geboren wurde, in Süddeutschland aufwuchs und im Deutschen Literaturarchiv Marbach arbeitet, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. ›Fische im Trüben‹ erzählt von einer untergegangenen Zeit in einer ländlichen Umgebung in Kasachstan. Sentimentalität kommt dennoch nicht auf. Der Roman ist voller Konkreta und atmosphärisch dicht. Weil Unruh den Figuren meist nah ist und der Tonfall dem Mündlichen angenähert, entsteht der Eindruck großer Unmittelbarkeit. Er verdankt sich auch einer ungewöhnlichen Sprache mit altertümlichem Deutsch, dem Plautdietsch. Ein erstaunliches, ganz und gar ungewöhnliches Buch. 26.9.2025


NDR Kultur, Annemarie Stoltenberg Elli Unruh erzählt in ihrem hervorragenden Debütroman von einer Familie, die als Mennoniten ihre Heimat in Kasachstan verlassen hat. In ihrer poetischen Sprache versteht die Autorin diese Welt heraufzubeschwören. Die Trakehner Pferde, Esel, Hühner und Hunde spielen eine große Rolle – und die Menschen, die gegen Not und Hunger kämpfen müssen. Manche Dialoge schreibt sie in Plautdietsch, jener Sprache, die ein wenig wie altertümliches Deutsch wirkt und in Mennoniten-Gemeinden weltweit noch heute gesprochen wird. Manche Begriffe sind aus dem Russischen übernommen. So meint man, einen oft zärtlich sanften Erzählton zu hören in diesem auch handwerklich hervorragend gestalteten Band. 18.11.2025


DAZ Deutsche Allgemeine Zeitung, Elli Unruh im Interview mit Artur Rosenstern Die deutsche Mehrheitsgesellschaft kennt die Geschichten der eingewanderten Russlanddeutschen kaum, dabei dürfen wir die eigene Geschichte als Bereicherung begreifen, als einen Expertenstatus für einen Teil europäischer Geschichte, von dem die Mehrheitsgesellschaft höchstens eine Ahnung hat. Für mich ist das Schreiben ein Zustand zwischen Trotz und Hoffnung. Wenn ich die Zeit schon nicht aufhalten kann, dann will ich mich wenigstens nicht der Sprachlosigkeit darüber schuldig machen. 7.12.2025


Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg »Fische im Trüben«, in den 1980er Jahren angesiedelt, erzählt mit Gelassenheit und großer sprachlicher Sicherheit vom Alltag in der Steppe. Das Sprachgemisch wird durch Einsprengsel plastisch, russische wie auch plautdietsche Begriffe. Die Kapitel sind lose, aber mit Geschick gefügt. Elli Unruh stellt eine Welt vor, die sie selbst nicht mehr kennt, sie hat recherchiert und ihren Verwandten tausend Fragen gestellt. Vielleicht gelingt auch dadurch diese nostalgiefreie Mischung aus Sinnlichkeit und Distanz. Die Poesie der Nüchternheit liegt über diesem souveränen Debütroman. 13.1.2026


MDR Kultur Buchkritik, Ulrich Rüdenauer, 25.2.2026 Ein bemerkenswertes Debüt. Bemerkenswert ist der Roman in vielerlei Hinsicht: Da ist eine Welt, die sie beschreibt und die nur sehr wenigen Menschen bekannt sein dürfte. Aus 3 Perspektiven blicken wir auf eine Mennonitengemeinde, wir bekommen Einblick in eine von eigenen Riten und Traditionen geleitete Truppe, die in der Sowjetunion nicht wohl gelitten ist und sich gegen allerlei Schikanen wehren muss … Das eigentlich Besondere aber ist Elli Unruhs Ton. Sie erzählt mit traumwandlerischer Leichtigkeit und poetischem Gespür. Man kann kaum glauben, dass die Autorin nicht selbst dabei gewesen ist, aber gerade mit ihrer atmosphärisch-prägnanten Sprache schafft sie eine verschwundene Lebenswirklichkeit neu. Die kindliche Perspektive des neunjährigen Kocha, jenes seiner Tante Hedi, deren erste Liebessehnsucht ausgerechnet einem Russen gilt und die des alten Heinrichs. Es sind ganz unterschiedliche Wahrnehmungsweisen: Unbekümmertheit und Neugier, Sorgen und Wissen um die menschliche Grausamkeit, die gerade in den 1940er Jahren allgegenwärtig war. Nach und nach entsteht so ein Panorama, das Dunkle, die Anfeindungen, die Vertreibung, das lässt Unruh auf fast beiläufige Weise einfließen, aber es grundiert das Leben der Menschen. MDR Buchkritik https://www.mdr.de/kultur/buchmesse/audio-elli-unruh-fische-im-trueben-100.html


Deutschlandfunk Kultur, Wiebke Porembka, 25.2.2026 Vergleichsweise überraschend ist die Nominierung des Debüts »Fische im Trüben« von Elli Unruh, der im Programm des kleinen, seit mehr als vier Jahrzehnten unkorrumpierbaren Transit Verlags erschienen ist. Elli Unruh hat für ihren Roman eine klare, bildhafte Sprache gefunden, die sie allerdings durch russische Einsprengsel und vor allem durch Wendungen aus dem Plautdietschen, dem Dialekt der Mennoniten, zu einer eigenwilligen Kunstsprache verdichtet. Mit dieser Nominierung hebt die Jury einen Titel hervor, den es noch zu entdecken gilt. Deutschlandfunk Kultur https://www.deutschlandfunkkultur.de/nominierte-preis-leipziger-buchmesse-2026-shortlist-100.html


NOMINIERT FÜR DEN PREIS DER LEIPZIGER BUCHMESSE 2026. Die Begründung der Jury: Gehen oder bleiben, sprechen oder so lange schweigen, bis keine Zeit für einen Abschied bleibt? Elli Unruh erzählt klug, ergreifend und ohne jede Romantik von einer besonderen Kultur und findet dafür eine unerhörte Sprache, die alles zusammenfügt, was der Roman vor unseren Augen ausbreitet. Damit erschließt sie uns eine Welt, die fremd und mittlerweile versunken ist. Im Roman leuchtet sie in einer lebenssatten Frische, die ihresgleichen sucht.


Susanne Lang stellt mit großer Begeisterung im rbb Radio 3 Elli Unruhs Debütroman »Fische im Trüben« vor und endet eindringlich mit: »Eine dringende Leseempfehlung! Elli Unruh erzählt unaufgeregt, ohne Verklärung, mit leichter Melancholie in einer poetischen aber auch lakonischen Sprache. Es sind Erzählungen aus dem Familienkreis und der Dorfgemeinschaft oder die Aufzeichnungen ihrer Urgroßmutter, die sie inspiriert haben. Diese Alltäglichkeiten fügt sie zu einem großen Geschichtspanorama zusammen und zeigt damit auf sehr eindrucksvolle Weise wieder einmal, welche Kraft Literatur entfalten kann. Es ist toll, dass sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist, denn sonst hätten den Roman viele Leser*innen sehr wahrscheinlich nicht entdeckt.« rbb radio 3 https://rbbmediapmdp-a.akamaihd.net/content/8c/5f/8c5feb4e-f881-4472-9026-6c99c9e009b9/a4d5bf8f-1610-46f1-8aa7-a6737c688d87_e6c293c7-c9be-4428-a244-f4990ecf36b0_256k.mp3


MDR und DEUTSCHLANDFUNK PODCAST: Unter Büchern stellt vor: Die Belletristik-Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse, 11.3.2026 Ein Gespräch Elli Unruh mit Jörg Plath: »Es ist ein sehr eigener Ton, in dem Elli Unruh schreibt. Ein fast märchenhafter Anfang, die Beschreibung einer Apfelplantage, wenn nicht dazu der Satz käme: ›Die friedlichste aller Armeen.‹ Das Buch scheint wie tastend, nur nach und nach rücken die 3 Protagonisten ins Zentrum, die wiederum über die Verwandtschaft miteinander verflochten sind. Das wirkt sehr organisch. Dieser schweifende Ton ist ungewöhnlich und sehr, sehr schön. Es gibt kleine Erzählkerne, die immer wieder weiterführen, auch in die Vergangenheit, trotzdem ist es kein Buch der Trauer oder der Sentimentalität, sondern der tragende Ton führt in die Zukunft, er erzählt von der Hoffnung und warum sich Ende der 80er Jahre soviel Menschen auf den Weg nach Deutschland machten.« Mehr hören: https://www.ardsounds.de/sendung/unter-buechern-mit-katrin-schumacher/urn:ard:show:170222a71e331d9b/


Stuttgarter Nachrichten, 13.3.2026 Unter der Headline »›Fische im Trüben‹ – der wunderbare Fischzug der Stuttgarter Autorin«, schwärmt Kritiker Stefan Kister von dem Roman: »Elli Unruh arbeitet im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Offenbar setzt der Umgang mit den Hinterlassenschaften des literarischen Lebens eine besondere, inspirierende Kraft frei. Denn hier begann vor einigen Jahren auch die Karriere von Iris Wolf. Erstaunlich, mit welcher geradezu ethnologischen Präzision in ›Fische im Trüben‹ eine versunkene Alltagswelt zum Leben erweckt wird. Aus anekdotischem Material entstehen nicht nur einprägsame Szenen, sondern gestochen scharfe Bestandsaufnahmen der Mentalitätsgeschichte einer religiösen Gemeinschaft, die sich gegen eigene Borniertheiten, vor allem aber gegen eine feindliche Umwelt wappnen muss. Gleichzeitig ist der Roman in seiner rauen, unbestechlichen Imaginationskraft auch ein heiteres Buch. Elli Unruhs Debüt hat seine kritische Feuertaufe bereits bestanden, ganz unabhängig davon, welche Entscheidung in Leipzig fällt.« Mehr lesen: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.fuer-leipziger-buchpreis-nominiert-fische-im-trueben-der-wunderbare-fischzug-der-stuttgarter-autorin-elli-unruh.97e036a0-2e20-45cc-9521-8061450cb0cc.html


Daniel Schieferdecker ist im ESQUIRE, 18.3., überzeugt: »Diese 10 neuen Bücher sind garantiert bald ausverkauft.« Und selbstverständlich gehört auch »Fische im Grünen« dazu: »Auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 stehen nicht nur ›alte Recken‹ und verdiente Schriftsteller*innen, sondern auch Elli Unruh, die mit ihrem Debütroman – zu recht – schon viel Lob eingeheimst hat. Das liegt unter anderem auch daran, dass sie darin einen Einblick in eine Welt liefert, die den meisten von uns fremd ist. Wir bekommen durch Unruhs poetische Sprache einen wirklich guten Eindruck von der Flora und Fauna, vom Geruch und der Atmosphäre dieser Gegend, in der die Mennonitengemeinde ein hartes Leben führt und dabei immer wieder vertrieben wird.« Mehr lesen: https://www.esquire.de/entertainment/kultur/buchmesse-leipzig-2026-nominiert-neue-buecher-lesen-romane


Im DONAUKURIER ist Antje Witzke überzeugt: »Elli Unruh erzählt mit einer poetischen Sprachkraft, die keinen Zweifel daran aufkommen lässt, warum sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist. Ein großer Wurf!«


TAZ, David Hinzmann, 18.3.2026: »… Elli Unruh ist zu recht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Der Roman wird nicht in der Form einer linearen, eindeutigen Erzählung dargeboten, sondern vielstimmig und subtil. Unruh hat einen Familienroman auf der Höhe der Zeit geschrieben, der bewusst viele Leerstellen lässt und keine Meistererzählung des Vergangenen strickt. Man erfährt gerade so viel, um eine Idee von der Wurzellosigkeit dieser Familien zu erhalten. All das entsteht erst in der Deutung des Textes, die dem Leser obliegt. Das macht den großen Reiz dieses Romans aus, der diesen Effekt durch seine offene, episodische Erzählstruktur und seine nüchterne Sprache erzielt. Unruh hat ein bemerkenswertes Debüt geschrieben, das eine treffende Form für sein Sujet findet.« Mehr lesen: https://taz.de/Ohne-Lippenstift-auf-Deutschland-warten/!6163294/


Biografie – Unruh, Elli

U
Unruh, Elli
Elli Unruh, 1987 in Georgijewka (Kasachstan) geboren, wuchs in Süddeutschland auf. Nach ihrem Studium zur Bibliothekarin arbeitet sie in der Sammlungserschließung einer Spezialbibliothek für Litera­tur. Für die Fertigstellung ­ihres ersten Romans erhielt sie eine ­Förde­rung der Kunststiftung sowie des Förderkreises für Schriftsteller:innen in Baden-Würrtemberg. Der Debütroman ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026. Sie lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.

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